Methoden

Web 2.0 und partizipative Systementwicklung

Web 2.0 ist mehr als nur Wikis, Blogs, RSS, Social Network etc. Web 2.0 steht vielmehr für eine grundlegend neue Auffassung des Internets: Die Trennung von Internetmachern und Internetnutzern wird überwunden.

Mit Web 2.0 wird jeder zum Nutzer und Macher von Web-Inhalten, was wiederum eine immense Dynamik nach sich zieht, da alle Inhalte ständig im Wandel sind, überarbeitet und den aktuellen Gegebenheiten angepasst werden. Dies bedeutet, dass die Interaktion und Kooperation der Nutzer in den Mittelpunkt rückt.

Partizipative Systementwicklung unterstützt ein gemeinsames Erarbeiten von Lösungen. Hierunter versteht man in der Softwareentwicklung die Einbeziehung der späteren Benutzer in den Entwicklungsprozess. Durch dieses Vorgehen versucht man, die Anforderungen des Endanwenders nicht am grünen Tisch zu erheben und Gefahr zu laufen, an den Wünschen vorbei zu entwickeln, sondern diese entlang sichtbarer Zwischenergebnisse umzusetzen.

Beide Prinzipien sind für DILI bei der Entwicklung des ILS grundlegend und handlungsleitend.

Change Management

Die Entwicklung eines Lern- und Wissenssystems greift – auch wenn das nicht ihr primärer Zweck ist – in bestehende Arbeitsprozesse ein und tangiert die Interessen verschiedener betrieblicher Akteure.

Ein Change Management begleitet die Entwicklung und Umsetzung des Web 2.0-basierten Lern- und Wissenssystems innerhalb des Unternehmens mit folgenden Zielen mehr:

  • Sicherung von Akzeptanz im Unternehmen, indem Akteursgruppen auch außerhalb der Instandhaltung, deren Interessen berührt werden, frühzeitig eingebunden, laufend informiert und bei Bedarf mit aktiven Beiträgen einbezogen werden. So können Vorbehalte und Veränderungswünsche rechtzeitig auf den Tisch gelegt und bei der Entwicklung des Wissenssystems berücksichtigt werden.
  • Anpassung der betrieblichen Arbeits- und Kooperationsstrukturen an das Wissenssystem dort, wo sie die Anwendung oder Weiterentwicklung des Wissenssystems behindern.
  • Die Innovation wird damit zugleich als organisatorischer Lernprozess verstanden, in welchem sich die Beteiligten der organisatorischen Rahmenbedingungen ihrer Innovation bewusst werden, Spielräume zu ihrer Adaption ausloten und neue Anwendungsmöglichkeiten erproben.

In der Methodik des Change Management orientieren wir uns am industriesoziologischen Ansatz „nachhaltiger Innovation“ (vgl. Weltz 2011).

Erweiterte Wirtschaftlichkeitsrechnung Instandhaltung

Mit der Einführung eines neuen Web 2.0 basierten Lern- und Wissenssystems ist die Erwartung von steigender Effizienz und Effektivität verknüpft. Woran kann diese Steigerung „gemessen“ werden? Vergleichsweise einfach sind in der Instandhaltung exakt messbare Effekte wie Ausfallzeiten, Wartungsdauer, Lohnkosten zu ermitteln; vorausgesetzt, diese Zahlen liegen vor. Allerdings wird mit solchen Kennzahlen Instandhaltung als reiner Kostenfaktor betrachtet. Wertorientierte Unternehmensführung richtet sich nicht nur an monetären, sondern auch an nicht-monitären Unternehmenswerten (v.a. Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit) aus. Aber: Derzeit gibt es zur Messung des Wertschöpfungspotenzials von Instandhaltung noch keine befriedigende Lösung.

DILI geht – im Unterschied zu Versuchen, Nicht-Messbares in Messbares zu transformieren – den Weg einer problemorientierten und qualitativen Evaluation von Aufwand und Ertrag auf der Grundlage von erfahrungsbasiertem Expertenwissen mehr …

Wir knüpfen an aktuelle Untersuchungen zu einer erweiterten Wirtschaftlichkeits­be­trach­tung an, in der die Kosten, aber auch die direkten und indirekten Nutzeneffekte berücksichtigt werden. Damit werden jene Effekte in eine Wirtschaftlichkeitsrechnung integriert, die in komplexen Ursache-Wirkungs-Verhältnissen – in besonderem Maße auf das jeweilige Unternehmen angepasst – entstehen, und damit bei der wertschöpfenden Instandhaltung auftreten. Neben „objektiven“ Kennzahlen wie Instandhaltungskosten und Produktionseffizienz, müssen für eine wertorientierte Instandhaltungsperspektive auch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, Sicherheit, Gesundheit sowie Umweltschutz integriert werden.