Forschungsfeld

Instandhaltung

ein bedeutender Industriezweig mit hoher Dynamik: Die industrielle Instandhaltung ist ein bedeutender Industriezweig, dessen Direktvolumen laut Schätzungen im dreistelligen Milliarden-Euro-Bereich liegt (FVI e.V.). Längst hat sich die Instandhaltung vom Kostenfaktor zu einem Aktivposten der wertschöpfenden Prozesse in Unternehmen und innerhalb von Wertschöpfungsnetzwerken gewandelt.

Bereits jetzt sind die Tätigkeiten in der industriellen Instandhaltung extrem wissens- und lernintensiv, unter einem verschärften Druck der Anlageneffizienz und angesichts neuartiger Technologien (wie eService oder Embedded Systems) werden sich die Anforderungen an das Wissen der Beschäftigten in diesen Bereichen zukünftig weiter erhöhen. Wettbewerbsdruck und technologische Entwicklung werden weiterhin dynamische Wissensveränderung und ständige Lernanforderungen in der Instandhaltung mit sich bringen.

Die Anforderungen an Instandhaltung werden sich in den kommenden Jahren weiter erhöhen und unterliegen einer Reihe dynamischer Veränderungstreiber. Dazu zählen zum einen Auflagen des Gesetzgebers (Umwelt, Arbeitssicherheit, EU-Recht), Kundenanforderungen (Qualität, Varianten, Lieferzeiten, geringere Bestände) und die damit verbundenen Aufwände für Zertifizierungen, Auditierungen und Validierungen. Zum anderen ist damit zu rechnen, dass sich der verschärfte Wettbewerbsdruck insbesondere auf den Bereich Instandhaltung niederschlagen wird (komplexere Technik, verkettete Anlagen, Erhöhung der Wirtschaftlichkeit der Anlagen, Kostenreduzierung, Outsourcing von Experten und Betreibermodelle, verringerte Produktlebenszyklen).

Lernen

„Jede Maschine hat ihre eigenen Marotten“,
sagen die Facharbeiter aus der betrieblichen
Instandhaltung – auch, wenn es sich
um baugleiche Maschinen handelt.

Die Qualität beruflichen Arbeitsprozesswissens liegt also in der Kenntnis der besonderen Eigenschaften der im Betrieb verwendeten Materialien, Anlagen und Geräte. Erfahrungswissen und erfahrungsgeleitetes Handeln sind insbesondere bei unvorhergesehenen Störungen und noch unbekannten Fehlerursachen die relevante Quelle, um Anlagen und Maschinen schnell und effizient wieder zum Laufen zu bringen. Gerade in hoch automatisierter Produktion ist dieses „Hightech“-Gespür von unverzichtbarer Bedeutung. Und das gilt ebenso für den Einsatz im Störfall durch Service und Instandhaltung wie für die vorbeugende Instandhaltung im Rahmen von TPM durch die Bediener.

Das didaktische Konzept erfahrungsgeleiteten Arbeitsprozesswissens (eAP) des Projekts verbindet Arbeitsprozesswissen sowie erfahrungsgeleitetes Arbeitshandeln und Lernen. Es unterstützt die in der Instandhaltung besonders relevanten Lern- und Arbeitsformen.

Erfahrungsgeleitetes Lernen in Arbeitsprozessen orientiert sich an konkreten Bedarfen, unterstützt Innovations- und Veränderungsprozesse und ermöglicht nachhaltige Kompetenzentwicklung. Es ist gekennzeichnet durch die Unterstützung informeller, selbst organisierter Lernprozesse. Der Betrieb, die Instandhaltung ist Lernort sowie konkrete Herausforderung als Lernfeld für die Arbeitsprozesse. So werden Weiterbildung und Personalentwicklung mit Qualitäts- und Wissensmanagement verbunden.

Erfahrungsgeleitetes Lernen in Arbeitsprozessen ist die geeignetste und selbstverständlichste Form lebenslangen Lernens für Beschäftigte.

Das Vorhaben soll nicht nur helfen, die Anforderungen des jeweiligen Arbeitsplatzes oder der jeweiligen Gruppe besser zu bewältigen, sondern auch die Öffnung für ein Personalentwicklungskonzept für gewerbliche Mitarbeiter enthalten, die in der Weiterbildung bisher deutlich unterrepräsentiert sind. Entwicklungsmöglichkeiten im Bereich der Instandhaltung – einschließlich vorbeugender Instandhaltungstätigkeit durch Anlagenbediener – aufzuzeigen, den Nachweis informellen Lernens zu unterstützen und so auch formale Qualifizierungswege zu öffnen, sind wesentliche Anliegen des Projekts.

Web 2.0

In dem Vorhaben wird das didaktische Konzept „erfahrungsgeleitetes Lernen in Arbeitsprozessen“ mit einem passenden webbasierten IT-Konzept verschränkt. Web 2.0 Technologien sind nicht nur „Enabler für Innovation“, sondern auch für Arbeiten und Lernen in der Produktion.

Dynamische Wissensgenerierung, unaufwändige Pflege von Content und Möglichkeiten situativen Austauschs – all das bietet der Einsatz neuer Web 2.0 Technologien. Deren Nutzung steht daher im Mittelpunkt des technischen Umsetzungskonzepts im Projekt.

Aus sozialer Perspektive ist besonders wichtig, dass Web 2.0 Tech­no­logien helfen, verteiltes Wissen zu vernetzen. Sie unterstützen den Austausch von Erfahrungswissen und eine kooperative Produktion von Inhalten. Damit wird Web 2.0 auch eine Metapher für neue soziale Nutzungsformen im Internet (vgl. Alby 2007), die den Wissenstransfer zwischen allen Nutzern unterstützen.

Ziel ist die Schaffung eines arbeitsprozessorientierten und beteiligungsorientierten Wissensmanagements für die Instandhaltungspraxis. Expertenwissen und Erfahrungswissen werden zur nachhaltigen Sicherung von Know-how im Unternehmen gleichermaßen verfügbar gemacht.

Im Fokus steht die Erprobung neuer Formen von Interaktion, Lernen und Wissensmanagement – die Technik ist „Enabler“.

Die Dokumentation erfahrungsgeleiteten, schwer formalisierbaren Wissens wird durch die Erstellung von Fotos oder Videos durch die Nutzer selbst und die Kommunikation über Weblogs, Wikis oder ähnliche Techniken unterstützt. Die Dokumentation des Wissens erfolgt in unterschiedlichem Umfang und mit variierender Tiefe. Die dabei mit verschiedenen Medien entstehenden „Wissensfragmente“ werden zur anwendungsübergreifenden Suche in Folksonomien (d.h. „collaborative tagging“ für bislang wenig erschlossene Wissensinhalte) oder in semantische Netze integriert. Diese Integration der Wissensfragmente stellt eine wesentliche Innovation des Vorhabens dar. Nur so kann auch technisch eine Architektur geschaffen werden, die die Nutzung von Erfahrungswissen im Arbeitsprozess der Instandhaltung aktiv unterstützt.

Durch eine konsequente Nutzung von Web 2.0 Technologien können zusätzlich Nutzungskonzepte mit mobilen Endgeräten (z.B. iPod-touch, iPad, weTouch) an verschiedenen Einsatzorten in der Produktion erprobt werden.